Vita

home Gedanken... Bilder Ausstellungen Vita Kontakt

 


Lebenslauf


 

Geboren 1956 in Bagdad, Irak.
Besuch der Schule für Kunst und Graphik in Bagdad,
danach Kunststudium an der Kunstakademie Bagdad

Seit 1998 in Deutschland
Mitglied im Berufsverband bildender Künstler München und Oberbayern e.V. (BBK)

Ausstellungen in Deutschland und in
Frankreich, Zypern, Jordanien, England und USA.
Ankauf eines Bilds durch das Britische Museum in London, 2003
Teilnahme an Symposien in Ungarn, Frankreich und Tschechien, 2004-2006

 
 

Isabella Geier (Augsburg) in einem Artikel über mich:
 
 

Iman Mahmud wurde 1956 in Bagdad geboren. Damals war der Irak eine Monarchie unter einer von den Engländern eingesetzten saudischen Herrscherfamilie und nichts in diesem Land außer vielleicht schon dem Öl war für die Weltöffentlichkeit von Interesse. Sie wuchs in einer großen Kaufmannsfamilie auf und schon während der Volksschulzeit trat ihr Talent zu Tage, das von der Lehrerin auf unkonventionelle Art gefördert wurde: Iman durfte die Wände des jeweiligen Klassenzimmers malerisch verschönern. Wände und Mauern sollten für sie später noch eine große Rolle spielen.

Während dessen wurde das Land von internen Machtkämpfen heimgesucht, von Putschen und Attentaten, und schließlich errangen die Baathisten die Macht. Nach der neunjährigen Volksschule boten sich verschiedene Möglichkeiten: neben der Berufsschule stand das Gymnasium, eine Erzieher- oder eine Kunstfachschule zur Auswahl. Iman entschied sich für Letzteres. Die Kunstfachschule in Bagdad war in Arabien Ländern sehr angesehen, und sie wusste es zu schätzen, dort angenommen worden zu sein.

Den Aufstieg Saddam Husseins von einem kriminellen Rowdy in der Baath-Partei zum kriminellen Diktator verfolgte sie mit wachsender Aufmerksamkeit und zunehmender Beunruhigung. Der Schulabschluss, den sie an der Kunstfachschule erwarb, berechtigte zum Studium an der Kunstakademie. Iman musste aber ihre Ausbildung unterbrechen, weil ihre Mutter sehr krank wurde und auf Imans Hilfe in der Familie angewiesen war. Anschließend wäre sie zum Studium gerne ins Ausland gegangen wie schon ihr Halbbruder, aber nachdem ihr Vater bei einer Reise nach Deutschland feststellen musste, dass der Bruder das Studium dort abgebrochen hatte und sich mit wechselnden Jobs Geld verdiente, um seine inzwischen gegründete Familie zu ernähren, verwehrte er der Tochter diesen Wunsch. So schrieb sich Iman 1980 an der Kunstakademie in Bagdad ein und studierte dort Graphik.

An die Zeit dort denkt sie mit gemischten Gefühlen zurück. Ihr Professor war sehr fordernd und äußerst streng, seine Kritik gnadenlos und oft sehr verletzend, auch wenn sie dazu dienen sollte, sie anzuspornen. Andererseits war die Kunst einfach ihre Welt, und schon 1983 wurde sie, zusammen mit einer syrischen Kommilitonin, eingeladen, ihre erste Ausstellung zu machen.

Die Beanspruchung hatte auch ihr Gutes, denn inzwischen war es zum Krieg zwischen Iran und Irak gekommen, der mit jedem Jahr mehr Opfer forderte. Die Kunst wurde für Iman ein Zufluchtsort, der die schrecklichen Ereignisse im Bewusstsein zurückdrängen ließ, und sie widmete sich ihr voll und ganz. Trotzdem war sie natürlich jedes Mal tief erschüttert, wenn ein Familienmitglied, wie z.B. ihr 18 jähriger Neffe und ein zum Militärdienst eingezogener Kommilitone, als sog. "Märtyrer", d.h. als Leiche aus dem Krieg zurückkehrte. Wie viele hoffnungsvolle Talente aus ihrer unmittelbaren Umgebung, wie viele vor allem junge Iraker und Iraner wurden in diesem sinnlosen Krieg hinweggerafft, diesem Krieg, der von den Supermächten, aber auch von uns Europäern durch Waffenlieferungen an beide Seiten immer weiter verlängert wurde. Das prägte das allgemeine Lebensgefühl natürlich sehr.

Was ihren weltanschaulichen Hintergrund betrifft, so gehörte Imans Familie der Religion der Bahai an Die Bahais erkennen neben dem Koran auch die heiligen Schriften der anderen Weltreligionen als Glaubensquellen an und erstreben ein neues Zeitalter des Friedens und einer einigen Menschheit. Gegen Ende des Krieges begann Iman, sich intensiver mit philosophischen Fragen und den verschiedenen Religionen zu beschäftigen. Auch mit dem Sufismus setzte sie sich stark auseinander.

Der Sufismus ist ein im Islam wurzelnder, aber über diesen hinaus gehender esoterischer Schulungsweg,  Der Schüler, der von einem Sufi-Lehrer bei seiner spirituellen Entwicklung begleitet, aber dabei nicht von seinem alltäglichen Leben abgesondert wird, muss zunächst einige moralische Voraussetzungen erwerben. Großzügigkeit und Freigebigkeit gehören dazu, das wichtigste aber ist die Liebe. Die Troubadoure stammen nach Meinung etlicher Forscher von einer sufischen Bewegung ab, die ursprünglich diesen Namen trug ; die  Bedeutungen gingen verloren, der Name blieb. Vielleicht wegen des hohen Stellenwerts der Liebe wird der Sufismus von dem  Sufi Rumi auch als esoterisches Christentum bezeichnet, wie Idries Shah schreibt. Wie die Eingeweihten der ägyptischen und babylonischen Mysterien haben auch die Sufis ihre esoterischen Schriften stets verschlüsselt, um Missverständnisse oder Missbrauch zu verhindern, entweder durch Allegorien oder durch verschiedene Verschlüsselungsmethoden.

Als 1990, nur zwei Jahre nach dem Ende des verlustreichen iranisch-irakischen Kriegs, schon wieder Krieg war, war das für alle Iraker ein großer Schock. Iman war erschüttert und hatte das Gefühl, dass sie nicht einfach so weiter malen könne – auch in ihrem künstlerischen Tun musste sie irgendwie auf diesen Schlag reagieren. Sie ging damals oft ins inzwischen geplünderte historische Museum Bagdads, wo sie Stunden verbrachte und sich in die Zeugnisse der kulturellen Vergangenheit Mesopotamiens vertiefte. Sie musste daran denken, wie viel Werden und Vergehen, Tod und Zerstörung, Hoffnung und Wiederbeginn sich auf diesen alten Steinen und Mauerfragmenten mit ihren verschlüsselten Inschriften abgelagert hatten. Sie betrachtete diese steinernen Mauern, die die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens überdauert und seine Spuren bewahrt hatten, die Schicht für Schicht die Geschichte der Menschen enthielten. Immer wieder wird eine Wand übermalt – wenn sie dann verwittert, gibt sie die verschiedenen Schichten wieder preis und symbolisiert so Werden und Vergehen, Tod und Wiedergeburt. Vor einem uralten Stein mit Bild- und Schriftzeichen hatte sie eines Tages eine Art Schlüsselerlebnis. Schlagartig war ihr klar, wonach sie suchte: nämlich nach einer Art Gesamtkunstwerk. Ihr schwebte als Ziel ein Gesamtkunstwerk vor, das Plastik, Malerei, Schriftkunst, Literatur, Philosophie und Religion vereinte. Und diese Vision leitete sie bei der Entwicklung ihres jetzigen Malstils.

Bevor Iman malt, beschäftigt sie sich intensiv mit ihr gerade wichtigen Fragen und Inhalten - mittels Lektüre von Texten, Reflexion, Meditation, Gesprächen ja auch Träumen - bis zu einem Punkt tiefen Verständnisses. Wenn sie dann an diesen Punkt erlebter Erkenntnis gelangt ist, dann malt sie. In ihre Bilder integriert sie oft die erarbeiteten Inhalte in nach Sufi-Methode verschlüsselter Form. Es finden sich also arabische Schriftzeichen, Zahlenfolgen und Symbole, die aber auch für der arabischen Schrift mächtige Betrachter nicht ohne weiteres lesbar sind. Außerdem gibt sie ihren Bildern durch entsprechende Materialien und Techniken, auch durch nachträgliche Bearbeitung etwas vom Charakter verwitterter Mauern. 

Nach dem Zweiten Golfkrieg war freie Malerei praktisch nicht mehr möglich. Für die allein gefragte Polit-Malerei wollte und konnte sich Iman nicht instrumentalisieren lassen und bekam dadurch zunehmend Probleme. Außerdem wurde es aufgrund des Wirtschaftsembargos immer schwieriger und schließlich unmöglich, Material zum Malen zu bekommen. Aus dem gleichen Grund sanken die Löhne so sehr, dass sie ununterbrochen unterrichten musste, um überhaupt zu überleben. An wenigstens minimale Freiräume für ihre künstlerische Arbeit war überhaupt nicht mehr zu denken.

So entschloss sich Iman schließlich schweren Herzens, ihre Heimat zu verlassen. Den Dritten Golfkrieg erlebte sie von Deutschland aus am Fernsehen, wobei alle Verbindungen in den Irak, also Post und Telefon, über Wochen unterbrochen waren, so dass sie lange über das Schicksal ihrer Familie in Bagdad völlig im Unklaren blieb. Sie lebt heute in München, wo sie schon mehrere Ausstellungen hatte, ein Bild von ihr wurde von der National Gallery in London erworben. Jetzt hofft Iman, dass die Verhältnisse in ihrem Land sich so entwickeln, dass endlich wieder ein normales Leben als Grundlage individueller Entfaltung möglich wird. 

Isabella Geier isa.ulf.geier@t-online.de