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Meine „Mauerbilder“ sind Ausdruck des ständigen Wandels, so wie
Stück Mauer, eine alte Wand, die Geschichte erzählt und dauernder
Erneuerung unterworfen ist. Wenn ich die Wand berühre, bin ich
auf magische Weise verbunden mit dem Geschehen in vergangener Zeit
und mit den Menschen, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. Als
Mauerbilder bezeichne ich die Inschriften auf den Wänden und alten
Mauern. In
Bagdad begeisterte ich mich Anfang der neunziger Jahre für die
Inschriften auf den Wänden, und ich kam auf die Idee, in meinen
Bildern auch Schriftzeichen zu verwenden. Als Material für meine
Collagen verwende ich Papier, bemalt mit Tempera oder Acryl, Tusche,
Bleistift, auf Karton oder auf Holz, manchmal strukturiert mit Gips.
Auszug
aus der Eröffnungsrede von Dr. Elmar Zorn Iman
Mahmuds Mauerbilder halten eindrucksvoll Erinnerungen und
Erlebnisse, die sich bei ihr mittels der Oberflächen und typischen
Strukturen von alten Mauern, etwa in Bagdad, für sie verfestigt
haben, zu steinernen Gedächtnissen fest, die sie dann in ihren
transparenten Papierarbeiten überträgt. Ihr künstlerisches
Verfahren dabei ist jedoch nicht die Abbildung als einer in die
Zeichnung umgesetzten Kopie. Sie erfindet in Geiste der geschauten
Inschriften von Zahlen und Schriftzeichen eine neue Graphik als
Annmutung dieser erinnerten Eindrücke.
In ihrer großen Arbeit der sumerischen Wand, die frei im Raum hängt
und paradoxerweise in der luftigen Leichtigkeit der Papierschichten
als fragmentarische Evokation, als Erinnerungszitat gelten kann,
entsteht so ein verwehter Ort, über den sich reden lässt, der sich
herbeirufen lässt. Die Poesie der Skulptur besteht nun gerade in
dem Materialwechsel, der zur glaubhaften künstlerischen Aussage
wird, obwohl das Dokumentarische als solches der Künstlerin nicht
wichtig ist – ganz anders als bei Karl Weibl. Das Medium Papier begleitet Iman Mahmuds künstlerischen Werdegang als ihr künstlerisches Profil seit sie ihren Abschluss 1980 am Institut für Kunst und Graphik in Bagdad machte und dann noch die Kunstakademie dort absolvierte. In über 20 Jahren stellte sie in ganz Europa aus, in Ungarn, Frankreich, Zypern, Italien, England, den USA und immer wieder in München und Umgebung. Auch ihr Werk und ihre Person sind uns wichtig als Ausgangspunkte für weitere transkulturelle Überlegungen einer Zusammenarbeit von „westlichen“ mit Künstlern islamischen Hintergrunds. Denn einerseits praktiziert Iman Mahmud solche Ansätze sowie schon in ihrer künstlerischen Praxis, und andererseits schafft sie es wie kaum ein anderer Künstler aus der islamischen Welt, in ihren Papierarbeiten eine starke Authentizität zu vermitteln, ohne dass die Exponate selber historisch zu sein haben und als künstlerisch hergestellte Konstrukte ihr Simulacrum, man könnte eben auch sagen ihre Poesie bewahren und somit kein „Talmi“, keine billige Abbildung werden, wie es so oft in der zeitgenössischen Kunst von heute geschieht. Die vollständige Rede kann hier als pdf-file heruntergeladen werden.
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