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Über meine Bilder

 
 

Meine „Mauerbilder“ sind Ausdruck des ständigen Wandels, so wie Stück Mauer, eine alte Wand, die Geschichte erzählt und dauernder Erneuerung unterworfen ist. Wenn ich die Wand berühre, bin ich auf magische Weise verbunden mit dem Geschehen in vergangener Zeit und mit den Menschen, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. Als Mauerbilder bezeichne ich die Inschriften auf den Wänden und alten Mauern.
Die alte Mauer ist für mich Ausdruck von Werden und Vergehen, von Tod und Wiedergeburt, Zerstörung und Wiederaufbau, Krieg und Frieden. Wenn die Wand wieder und wieder übermalt wird, ist sie Schicht für Schicht Dokument der Vergangenheit. In einer verwitterten Wand treten alle dieser Schichten zu Tage und offenbaren damit ihre Geschichte.

In Bagdad begeisterte ich mich Anfang der neunziger Jahre für die Inschriften auf den Wänden, und ich kam auf die Idee, in meinen Bildern auch Schriftzeichen zu verwenden. Als Material für meine Collagen verwende ich Papier, bemalt mit Tempera oder Acryl, Tusche, Bleistift, auf Karton oder auf Holz, manchmal strukturiert mit Gips.
In vielen meiner Bilder verarbeite ich arabische Schriftzeichen und Zahlenfolgen. Das hat seinen Ursprung in alten Tempelinschriften, in denen ebenfalls Zahlen vorkommen, die verschlüsselte Texte darstellen. Die Verschlüsselung hatte magische Bedeutung. Kaum jemand konnte dieses Geheimnis entschlüsseln. Die kalligraphischen Elemente ähneln alten babylonischen oder ägyptischen Tempelinschriften. Ich interessiere mich besonders für das Verhältnis zwischen den Buchstaben und spüre eine magische Kraft, die von bestimmten Zeichen ausgeht. Das Entziffern ist in meinen Arbeiten verbunden mit dem Gehen, mit der Bewegung des Betrachters.
Die Schriftzeichen enthalten keine Botschaften im eigentlichen Sinn. Die Beschäftigung mit der Schrift und den Zahlen hat für mich jedoch große Bedeutung, hat Einfluss auf mein Lebensgefühl und meine Auffassungen vom Leben, auf Innen und Außen.

 

Auszug aus der Eröffnungsrede von Dr. Elmar Zorn
zur Gruppenausstellung „Die Ringe der Künstler“ in der Pasinger Fabrik am 6. April 2006

Iman Mahmuds Mauerbilder halten eindrucksvoll Erinnerungen und Erlebnisse, die sich bei ihr mittels der Oberflächen und typischen Strukturen von alten Mauern, etwa in Bagdad, für sie verfestigt haben, zu steinernen Gedächtnissen fest, die sie dann in ihren transparenten Papierarbeiten überträgt. Ihr künstlerisches Verfahren dabei ist jedoch nicht die Abbildung als einer in die Zeichnung umgesetzten Kopie. Sie erfindet in Geiste der geschauten Inschriften von Zahlen und Schriftzeichen eine neue Graphik als Annmutung dieser erinnerten Eindrücke. In ihrer großen Arbeit der sumerischen Wand, die frei im Raum hängt und paradoxerweise in der luftigen Leichtigkeit der Papierschichten als fragmentarische Evokation, als Erinnerungszitat gelten kann, entsteht so ein verwehter Ort, über den sich reden lässt, der sich herbeirufen lässt. Die Poesie der Skulptur besteht nun gerade in dem Materialwechsel, der zur glaubhaften künstlerischen Aussage wird, obwohl das Dokumentarische als solches der Künstlerin nicht wichtig ist – ganz anders als bei Karl Weibl.

Das Medium Papier begleitet Iman Mahmuds künstlerischen Werdegang als ihr künstlerisches Profil seit sie ihren Abschluss 1980 am Institut für Kunst und Graphik in Bagdad machte und dann noch die Kunstakademie dort absolvierte. In über 20 Jahren stellte sie in ganz Europa aus, in Ungarn, Frankreich, Zypern, Italien, England, den USA und immer wieder in München und Umgebung. Auch ihr Werk und ihre Person sind uns wichtig als Ausgangspunkte für weitere transkulturelle Überlegungen einer Zusammenarbeit von „westlichen“ mit Künstlern islamischen Hintergrunds. Denn einerseits praktiziert Iman Mahmud solche Ansätze sowie schon in ihrer künstlerischen Praxis, und andererseits schafft sie es wie kaum ein anderer Künstler aus der islamischen Welt, in ihren Papierarbeiten eine starke Authentizität zu vermitteln, ohne dass die Exponate selber historisch zu sein haben und als künstlerisch hergestellte Konstrukte ihr Simulacrum, man könnte eben auch sagen ihre Poesie bewahren und somit kein „Talmi“, keine billige Abbildung werden, wie es so oft in der zeitgenössischen Kunst von heute geschieht.

Die vollständige Rede kann hier als pdf-file heruntergeladen werden.